Weblog-Archiv für 2. April 2009

h1

Das alte Lied auf neuen Saiten.

2 April 2009

Kafka. Woolf. Celan. Nietzsche.
- um nur einige zu nennen, in deren Biografie sich Kreativtität, Intelligenz, Gedanken- und Emotionstiefe mit einem unschönen Ende bzw. psychischen „Störungen“ vereinen.

Was ist das Schwere an Psychischen Problemen? – Die mangelnde Akzeptanz als „Krankheit“ in der Gesellschaft, den Unterschied den wir zwischen Bandscheibenvorfall und Depression machen, das Herabschauen auf Menschen, die abweichen.
Ernsthaft, es würde mir leichter fallen meine Abweichungen wirklich sachlich anzunehmen und mit ihnen zu arbeiten, wenn das anders wäre. Die Angst, nicht mehr ernstgenommen zu werden, treibt mich um.

Was heißt Abweichungen..

Abweichungen <–> Das Besondere an mir
Zukunftsangst, das Gefühl, zu schwach zu sein um unangenehme Dinge durchzuziehen <–> Freiheit, das Gefühl einen Schritt in die richtige Richtung getan zu haben
Ungewissheit, Unsicherheit <–> Chance für neues, Neugier
Schwäche <–> Stärke
Leere <–> Pläne

Ich deute permanent um. Was ich in einem Moment für richtig, für „mich“, für real halte, kann ich eine Sekunde später zerfallen sehen,
was im einen Moment Unsicherheit war, kann ebenso schnell zu reinem Lebenshunger, Mut und „Ich schaff das schon“ werden.
Genaugenommen deute ich nicht nur um, sondern beweise mir in einem Moment das Gegenteil von dem, was ich mir am Tag zuvor eingeredet habe.

Beweisen, Selbstkritik, Selbstreflektion plus Ergebnis <–> Einredung, Illusion, Selbsttäuschung

Meine zwei Seiten werden stärker, entfernen sich voneinander. Die Lücke wird größer, und die Überbrückung wird intensiver, dauert manchmal länger.
Ich fürchte, dass das Seil zwischen den zwei Gipfeln irgendwann reißt, und ich auf einem der beiden festsitze. Ich fürchte den totalen Verlust jedweder Balance.

Ich habe heute stundenlang mit einer weisen, bewundernswerten Person (meiner Großmutter) über meine Zukunft, meine Pläne gesprochen.
Gestern habe ich mein Studium geschmissen – ein großer Schritt für mich.

Jahrelang hatte ich Zwänge im Kopf, die ich erst jetzt gehen lassen konnte.

Ich wollte z.b. nie „Zeit verlieren“ – jetzt kann ich akzeptieren, dass die geplanten Erfahrungen im kommenden Jahr den Zeitverlust wert sein werden.
Ich wollte nie ausziehen, dachte ich könne meine Mutter nicht alleine lassen – doch, ich kann. Und ich muss.
Und vor Allem: „Mit einem 1,8-Abi muss man eigentlich studieren“ – warum? Natürlich, es ist „schade“ darum – aber erstens kann ich jederzeit wieder anfangen mit einem Studium und zweitens – viel bedauernswerter ist ein versautes Leben, nicht ein vielleicht umsonst gemachtes Abitur.

Ich brauche Zeit. Ich will herausfinden, was ich wirklich machen will, und das ist eine Mammutaufgabe.
Trotz meiner Talente, Intelligenz, permanenter (Selbst-)reflektion und einer Fülle an emotionalen Fähigkeiten kann ich damit im (deutschen) Universitätssystem nichts anfangen.

Es gibt weder mündliche Noten, noch verlangt man mir in den Klausuren aufgeklärtes, selbstständiges Denken ab – vielmehr muss auswendiggelernt werden. („Sapere Aude!“- von wegen.)
Für mich, die ich schnell begreife, durch Dialog, Reflektion und Diskussion am meisten Wissen ziehe und nicht (auswendig-)lernen kann und will, nicht zu schaffen.
Ich hätte weitermachen können, vielleicht kann man mir auch mangelnde Konsequenz vorwerfen – aber ich denke, dass mir das kommende Jahr genug Zeit gibt, um mir über einiges klar zu werden.
Und somit hat das Ganze seine Berechtigung.

Es kann doch nicht sein, dass Menschen mit Potenzial, die nicht einmal extrem hoch hinaus, sondern einfach nur ihre Lebensgrundlage erwirtschaften wollen irgendwann, an der Uni verzweifeln, weil das Niveau (in den Geisteswissenschaften) zu niedrig ist?
Ich bin mir sicher, dieser Punkt wird vielen bitter aufstoßen, die das hier lesen – Wenn man etwas leicht bekommt,warum nicht die Chance nutzen? – Weil es mich frustiert, weil ich mich ungerecht behandelt fühle und weil ich unglücklich damit bin.

Womit wir aber wieder bei den vier anfangs genannten Namen wären – Ich stelle mich natürlich nicht mit jenen in eine Reihe, aber ich erkenne überall dieselbe Tendenz – Menschen, die immer streben, immer werden, aber nie sind. Die nie zur Ruhe kommen, rastlos und getrieben an einem bestimmten Punkt zerbrechen.
Menschen, die zu viel denken, zu viel umdeuten, (zu viel?) fühlen.
Die Talente haben, aber am Leben scheitern. Und das bei vielen sogar ohne gravierende Einschnitte im Leben wie Tod, Krieg, Krankheit.

Da will ich nicht hin.
Das ist meine Angst.

Ich bin ein starker Charakter, ich weiß, wann ich Hilfe brauche. Und dieser Punkt ist langsam da – lieber zu früh als zu spät. Bevor das Seil reißt, bevor halbwegs beherrschte Ambivalenz zu Chaos wird.
Es gibt nichts an meiner Psyche, was ich „abstellen“ wöllte.
Aber ich muss eine zu große Entgrenzung verhindern, die Schlucht zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt nicht noch größer werden lassen. Und meine Psyche so annehmen wie sie eben ist.
Wobei ich wieder bei Hinahme wäre.
Die Fähigkeit, zu akzeptieren oder zumindest zu tolerieren.

(Ich weiß, es ist alles etwas ungeordnet und unvollständig – aber ich möchte nichts ändern.)

h1

-

2 April 2009

I can’t remember when i cried the last time because of someone’s beauty.

Thank you.