Die Schritte der Menschen sind noch etwas ziellos, verheddert in imaginärem Gestrüpp.
Verletzlich wie die Vogelfamilie, die das nasse Gefieder erst trocknen lassen muss und sich zu diesem Zwecke mit jedem Sonnenstrahl verbünden will.
Die Herzen fühlen sich an wie in Teer getaucht, die Federn lose hineingesteckt – als müsste die Seele erst im zähen Dunkel versinken, um den Flügeln Halt zu geben.
Ein blasser Wind steigt spiralenförmig in den erblauenden Himmel, der unsicher beginnt, die Wolken zu vertreiben, aber sich noch nicht recht zu trauen scheint. Wie eine flüssige Säule aus Silber.
Am oberen Ende teilt sich die stille Eleganz, und Tropfen fallen zu Boden, einer in jedes Auge.
Die Menschen erkennen sich nun in einer tiefen, spiegelnden Unendlichkeit, wenn sie sich ansehen.
„Was fühlst du?“ fragt er, die andächtige Stille durchdringend.
„Dich“, ihre Antwort. Und am Grund ihrer Augen versickert der Silbertropfen, bricht mit seinem Glanz durch das geteerte Herz und verbindet sich mit der granatfarbenen Schönheit im Innern.
Es ist dieselbe Schönheit, die so manches Mal zu endlosen Fluren wird, durch die der Wind flieht.
Nicht jetzt.
Das Silber umfließt auch die Blutbuche; Im Rauschen der Wipfel schwingt eine sanfte Melodie mit, durch die laue Luft streckt sie sich und berührt die Ruhenden mit warmer Hand.
Selbst sie kann sich trotz ihrer königlichen Verachtung, die sie sonst für die Welt hegt, dem Augenblick nicht entziehen. Genaugenommen ist sie sogar dankbar, ihre silberne Quintessenz begleiten zu dürfen – und hätte sie statt ihres klingenden Geistes ein menschliches Herz, würde sich der Stolz in Demut wandeln angesichts der Magie, die den alten Baum umfängt.
Der Himmel hat endlich den Mut gefunden, das Grau zu verscheuchen; Die übrigen weißen Wölkchen hängen wie Blüten am Firmament. Im Blau treffen sich Silber und Granat, tanzend und schwerelos.
(I.S. 08.04.2009)
