h1

Wahlstrategien

27 März 2011

Pünktlich zur “Schicksalswahl” in Baden-Württemberg ein Kommentar zu dem, was die Deutschen zur Zeit in immer größerer Zahl von sich geben, wenn es um Wahlen, Parteien und Politik im Allgemeinen geht.

Da wird für Atomkraft plädiert mit dem Argument, das wäre immerhin besser als “der Populismus der anderen”, es wird die eine Partei gewählt um “die Verbrecher von Partei X zu verhindern” und ein über Wochen vollzogener Haltungswechsel wird sofort als “Fähnchen im Wind”-Merkmal deklariert. Kleine Details aus dem Wahlprogramm oder dem Privatleben der Kandidaten werden als Grund genommen, diese aufs Derbste zu beleidigen und die gesamte Partei zu verteufeln, sehr oft artet dies in eine Art Hass und Hetze aus.

Diese Beobachtungen habe ich nicht aus der BILD-Zeitung, sondern aus meinem Alltag. Da gibt es gute alte Freunde, die mir im Vollbesitz ihrer Kräfte erzählen, dem Islam müsse im Hinblick auf unsere Kultur dringend Einhalt geboten werden, da gibt es Menschen, die die über Nacht veränderte Haltung der CDU zum Atomstrom als große Tat feiern, die über Wochen vollzogene Wandlung der SPD von Stuttgart-21- Befürwortern zu -Gegnern allerdings pauschal als populistisches Feuerwerk ansehen. Auch vollkommen frei jeglicher politischen Meinungsäußerung ist hier zu sagen: Das ist nicht logisch.

DAS ist Populismus – den Gegner in Misskredit zu bringen, weil er dieselben Dinge tut wie man selbst, und das noch als gutes Argument zu verkaufen.

Zu einem anderen oben genannten Punkt: Ich finde es traurig, dass Parteien nicht mehr nur gewählt werden, weil man sie für die “beste Lösung unter schlechten Lösungen” hält, sondern nur weil man eine andere, auf die man sich eingeschossen hat, zum Verlierer machen möchte. Das erinnert an eine Wahl der letzten Jahre, in der Wahlplakate mit “Koalition X verhindern”  die Landschaft prägten. Wie weit ist es schon gekommen mit einer politischen Gesellschaft, wenn das einzige Argument für eine Partei die (künstlich geschürte) Angst vor einer anderen ist?

Was mir des Weiteren mehr und mehr auffällt ist, dass es den (jungen) Wählern trotz eventuellem politischem Engagement anscheinend an guten Argumenten fehlt. “Partei X ist doch viel schlimmer, die mit ihrem Populismus” – gemeint ist damit wahlweise der Protest gegen S21 oder der Protest gegen die Atomkraft. Man kann für oder gegen diese Projekte sein, das spielt keine Rolle – zum guten Umgang mit den Mitmenschen anderer politischer Kulör gehört aber auch ein Mindestmaß an Respekt. Es spielt doch überhaupt keine Rolle, ob eine Partei von einer Protestbewegung profitiert, es profitieren nämlich alle Parteien von Meinungsströmungen im Volk. Es zeugt von mangelndem Respekt anderer Meinungen, wenn man deren Vertretern pauschal unterstellt, Opfer von Populisten geworden zu sein.

Ich wünsche mir mehr Respekt auf beiden Seiten, mehr Austausch von Argumenten (am Besten nicht aus dem Wahlprogramm, sondern aus den Taten) und für mich ganz persönlich weniger Argumente wie “du bekommst das ja eh nicht mit, wenn hier alles den Bach runtergeht” – sein Leben im Ausland zu führen hat so gar nichts damit zu tun, wie die Meinung ausfällt.

Mehr Respekt, mehr Sachlichkeit, mehr Leidenschaft ohne Hetze. Danke.

I. S., 27.03.2011

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.