Archiv für die Kategorie ‘Gedanken’

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7 Mai 2009

And through all the blurred

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I can see the colours.

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This rainbow, a soul.

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Innocence and Enlightenment. And Innocence.

21 April 2009

Innocence is „beeing shameless“.

Well,of course I don’t mean the common connotation of „shameless“ society brought us up with due to Christianity’s influence.
I don’t mean the absence of morals, of respect or having 50 ex-partners by the age of 25.
I mean the absence of acquired bad feelings about natural things such as feelings, perceptions, emotions. (It pains me a bit to feel the urge to explain that, but I can’t trust in people’s ability to get me the right way.)

Actually I consider that to be more fitting to the christian beliefs that still influence our surrounding – the purity of what was „before“ our world now, according to the bible, was a place without guilt, shame or sins.
When Eva took the apple in paradise that would „make her like god – you will be able to decide right from wrong“, she chose the ability to feel shame, but she also chose the ability to use her own mind and judge things. The bible tells us nothing apart from Kant’s theories and I dare to say that Kant, as a faithful christian, saw these hints.
(We could now discuss if the christian god is a malicious or a very caring god due to his attempts to keep the humans from gaining knowledge, but I am not a very christian person but on the other hand way too old to talk about religions in a bad way, so I will just leave this part blank. I try to talk about the theory, not the believe-it-or-not-part.)

We can find this tension between shame and sin on the one, purity and innocence on the other hand in most of the religions, especially in the pre-christian ones.
It is the most logical thing to me that these subjects and the fragile balance between them always has fascinated humanity (and obviously still does, hence me writing about it)
The fascinating thing for me is the fact that only the societies/ religions influenced by the (catholic) church consider the apple/ knowledge to be a sin and have therefore problems with sexuality, feelings and morals, but we all knew that it’s mostly the people instrumentalizing theories and not the theories theirselves that cause bad things so why shouldn’t I search for ancient knowledge in religious books?

Another example?
Lucifer. (latin „lux ferre“ – „He who bears the light“).
The fire, the eternal flame of wisdom, stolen from god(s) and given to mankind.
The lightbearer (Enlightenment, doen’t that ring a bell?), doomed for making the humans godlike.
We can find this motif in nearly all („western“) mythologies, no matter if pre-christian or not.
Lucifer Prometheus, Loki,.. - these mythological lightbearers are described as rather bad than good characters (bad for the gods, hence good for humanity’s enlightenment) – the christian interpretation is the worst one, though.

Also, I can see a deeply sexual and innocence-linked meaning in all this.
Prometheus is the morning star, the greek pendant to the roman Venus.
He brings the light, as Venus, as the sign for female fertility and sexuality, gives birth to life.

I could go on with ancient symbols and mythologies for at least ten more pages, did i mention the Pentagram yet? Golden section, search for perfection, da Vinci, Venus, Enlightenment.
I won’t write more, I have to go to bed.

The connections are everywhere, it is unbelievably fascinating for me to see the ancient thoughts mingle with thoughts from the age of enlightenment and our „modern“ society and philosophies.

And: I do not only think about sex while writing this, yet sex is the perfect example for what I’m trying to say- Is there something more innocent than two bodies converging like two different kinds of honey, colliding like waves of the oceans?

Our life is full of opposites.
In the dephts of night our fire is the brightest light,
and in the morning sun we are nothing but ashes and bloodwinds.

How can I break this circle? I must become the flame. Not the burning tree.

I.S. 20.04.2009

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Das alte Lied auf neuen Saiten.

2 April 2009

Kafka. Woolf. Celan. Nietzsche.
- um nur einige zu nennen, in deren Biografie sich Kreativtität, Intelligenz, Gedanken- und Emotionstiefe mit einem unschönen Ende bzw. psychischen „Störungen“ vereinen.

Was ist das Schwere an Psychischen Problemen? – Die mangelnde Akzeptanz als „Krankheit“ in der Gesellschaft, den Unterschied den wir zwischen Bandscheibenvorfall und Depression machen, das Herabschauen auf Menschen, die abweichen.
Ernsthaft, es würde mir leichter fallen meine Abweichungen wirklich sachlich anzunehmen und mit ihnen zu arbeiten, wenn das anders wäre. Die Angst, nicht mehr ernstgenommen zu werden, treibt mich um.

Was heißt Abweichungen..

Abweichungen <–> Das Besondere an mir
Zukunftsangst, das Gefühl, zu schwach zu sein um unangenehme Dinge durchzuziehen <–> Freiheit, das Gefühl einen Schritt in die richtige Richtung getan zu haben
Ungewissheit, Unsicherheit <–> Chance für neues, Neugier
Schwäche <–> Stärke
Leere <–> Pläne

Ich deute permanent um. Was ich in einem Moment für richtig, für „mich“, für real halte, kann ich eine Sekunde später zerfallen sehen,
was im einen Moment Unsicherheit war, kann ebenso schnell zu reinem Lebenshunger, Mut und „Ich schaff das schon“ werden.
Genaugenommen deute ich nicht nur um, sondern beweise mir in einem Moment das Gegenteil von dem, was ich mir am Tag zuvor eingeredet habe.

Beweisen, Selbstkritik, Selbstreflektion plus Ergebnis <–> Einredung, Illusion, Selbsttäuschung

Meine zwei Seiten werden stärker, entfernen sich voneinander. Die Lücke wird größer, und die Überbrückung wird intensiver, dauert manchmal länger.
Ich fürchte, dass das Seil zwischen den zwei Gipfeln irgendwann reißt, und ich auf einem der beiden festsitze. Ich fürchte den totalen Verlust jedweder Balance.

Ich habe heute stundenlang mit einer weisen, bewundernswerten Person (meiner Großmutter) über meine Zukunft, meine Pläne gesprochen.
Gestern habe ich mein Studium geschmissen – ein großer Schritt für mich.

Jahrelang hatte ich Zwänge im Kopf, die ich erst jetzt gehen lassen konnte.

Ich wollte z.b. nie „Zeit verlieren“ – jetzt kann ich akzeptieren, dass die geplanten Erfahrungen im kommenden Jahr den Zeitverlust wert sein werden.
Ich wollte nie ausziehen, dachte ich könne meine Mutter nicht alleine lassen – doch, ich kann. Und ich muss.
Und vor Allem: „Mit einem 1,8-Abi muss man eigentlich studieren“ – warum? Natürlich, es ist „schade“ darum – aber erstens kann ich jederzeit wieder anfangen mit einem Studium und zweitens – viel bedauernswerter ist ein versautes Leben, nicht ein vielleicht umsonst gemachtes Abitur.

Ich brauche Zeit. Ich will herausfinden, was ich wirklich machen will, und das ist eine Mammutaufgabe.
Trotz meiner Talente, Intelligenz, permanenter (Selbst-)reflektion und einer Fülle an emotionalen Fähigkeiten kann ich damit im (deutschen) Universitätssystem nichts anfangen.

Es gibt weder mündliche Noten, noch verlangt man mir in den Klausuren aufgeklärtes, selbstständiges Denken ab – vielmehr muss auswendiggelernt werden. („Sapere Aude!“- von wegen.)
Für mich, die ich schnell begreife, durch Dialog, Reflektion und Diskussion am meisten Wissen ziehe und nicht (auswendig-)lernen kann und will, nicht zu schaffen.
Ich hätte weitermachen können, vielleicht kann man mir auch mangelnde Konsequenz vorwerfen – aber ich denke, dass mir das kommende Jahr genug Zeit gibt, um mir über einiges klar zu werden.
Und somit hat das Ganze seine Berechtigung.

Es kann doch nicht sein, dass Menschen mit Potenzial, die nicht einmal extrem hoch hinaus, sondern einfach nur ihre Lebensgrundlage erwirtschaften wollen irgendwann, an der Uni verzweifeln, weil das Niveau (in den Geisteswissenschaften) zu niedrig ist?
Ich bin mir sicher, dieser Punkt wird vielen bitter aufstoßen, die das hier lesen – Wenn man etwas leicht bekommt,warum nicht die Chance nutzen? – Weil es mich frustiert, weil ich mich ungerecht behandelt fühle und weil ich unglücklich damit bin.

Womit wir aber wieder bei den vier anfangs genannten Namen wären – Ich stelle mich natürlich nicht mit jenen in eine Reihe, aber ich erkenne überall dieselbe Tendenz – Menschen, die immer streben, immer werden, aber nie sind. Die nie zur Ruhe kommen, rastlos und getrieben an einem bestimmten Punkt zerbrechen.
Menschen, die zu viel denken, zu viel umdeuten, (zu viel?) fühlen.
Die Talente haben, aber am Leben scheitern. Und das bei vielen sogar ohne gravierende Einschnitte im Leben wie Tod, Krieg, Krankheit.

Da will ich nicht hin.
Das ist meine Angst.

Ich bin ein starker Charakter, ich weiß, wann ich Hilfe brauche. Und dieser Punkt ist langsam da – lieber zu früh als zu spät. Bevor das Seil reißt, bevor halbwegs beherrschte Ambivalenz zu Chaos wird.
Es gibt nichts an meiner Psyche, was ich „abstellen“ wöllte.
Aber ich muss eine zu große Entgrenzung verhindern, die Schlucht zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt nicht noch größer werden lassen. Und meine Psyche so annehmen wie sie eben ist.
Wobei ich wieder bei Hinahme wäre.
Die Fähigkeit, zu akzeptieren oder zumindest zu tolerieren.

(Ich weiß, es ist alles etwas ungeordnet und unvollständig – aber ich möchte nichts ändern.)

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Fragmente.

20 März 2009

Habe gerade beim Blogkategorien neu anordnen zwei alte, unveröffentlichte Fragmente gefunden.
Es fasziniert mich, den Unterschied von damals zu heute zu sehen – wie anders würde ich mich heute ausdrücken, wie viel mehr weiß ich – die zentrale „Problem“stellung (wenn man es denn so nennen will) ist jedoch ähnlich geblieben.
Deshalb will ich euch das Ganze nicht vorenthalten:

18. Dezember 2007 („Stilmittelsuche“)

Ich versuche die unglaubliche Fülle meiner Gedanken zu umschreiben – und scheitere.

In manchen Momenten reichen Worte nicht mehr aus, und wer mich nicht erfasst, dem nützen selbst diese nichts.

Es gibt für mich keine Kunst die ich mir selbst schuf, trotz meiner Begabungen bin ich doch manchmal hilflos, ausdruckslos, fast starr.

Warum versuche ich ständig mich immer präziser zu definieren?
Warum möchte ich mich immer noch mehr begreifen können?
Will ich mich nicht somit in Regeln zwingen?

Nein, ich suche Befriedigung, den größten geistigen Trieb zu stillen. Mich selbst vollständig zu erfassen.
Und verzweifle manchmal am Stilmittel, das nicht vorhanden scheint.

Wenn ich die Wahl hätte zwischen der WAHRHEIT und dem Weg zur WAHRHEIT – ich würde den Weg wählen.

(…)

25. September 2oo6: („Faszinierend“)

Ist Sehnsucht nicht etwas Wunderbares?

Verlangen nach Emotionen, grenzenlos und gierig, bereit, alles aufzugeben, selbstlos darzubieten, fallenzulassen. Liebevoll. Allerdings macht sie unendlich verletzlich.

Wird diese tiefe Gefühlsregung erfüllt, bietet sich eine Fülle schöner Momente dar.

Wird sie nicht erfüllt, tut sich ein Abgrund auf.

Beginnend mit Nachdenklichkeit, ist von Unsicherheit bis zur absoluten Selbst-an (und -ver) zweiflung die komplette Bandbreite negativer Emotionen vorhanden.

Allen voran die Angst.

(…)

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Nach Mitternacht beginnt der Sog verderblicher Gedanken.

8 März 2009

Ich fühle mich, als hätte man mir die Unschuld, das kindliche „Vorher“ gestohlen.
Gibt es einen Punkt, an dem die Vergangenheit zu stark ist, um Zukunft zuzulassen?
(Nicht die unüberwundene – durchaus die überwundene, aber eben unwiderruflich geschehene)

Die schlimmste Wut ist die hilflose, brennende Wut über einen fehlenden „Schuldigen“,
und die tiefste Verletztheit die, die wir uns selbst zufügen.
Ist nicht alles Gefühl Illusion?
Wenn wir es schaffen, zu lieben – lieben wir dann nur das Glück, das uns geschenkt wird?
Mein Hinterkopf erinnert mich: Auch wenn alles Illusion ist – kann uns das nicht egal sein?
Doch, durchaus.
Doch gerade überwiegt das bloße Verlorensein.

Ich fasse dieses perverse Glücksgefühl nicht, das sich den Weg durch die Verletztheit bahnt und mir zuflüstert „Immerhin FÜHLST du Etwas..“

I saw the sun
exploding.

And I am lost tonight.

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Not every devotion is a deception (Nightly orisons)

12 Februar 2009

She had been sitting at an open window, watching the trees beeing caressed by wind and clouds for a while. When her skin became too cold, and the longings too intense, she read again all he wrote her. Her adoration of the purity and innocence that lied within grew with every word she read. Her pain as well.
„I don’t even dare to think of what could be when we let go“
No answer.
The pictures in her mind didn’t stay for long, constantly changing while longing, anxiety, lust – even jealousy – fought for dominion. What he placed at the feet of someone else before was more than she ever could have dreamt of.
„How could someone not be able to sell his soul for you?
Come, please, and grab my hand, don’t let the frozen winds caress my once so empty soul!“

And she lost herself in the memory of these crystal clear eyes again. Time slipped away when she took the blade and tried to slit the wings of grief
„If I let them go – will you make me fly instead? Or will I have to walk this earth anew?“
Sweet impossibility to share the beauty of her candid heart.
„Echoes, with your hearts of gold, help me to endure“

She forced her crimson to memorize all the nightly orisons and burrowed into her blankets, constantly singing along with the gentle melody inside of her
„These tears are beautiful.“
„These tears are beautiful.“

(I.S. 26.01.2009)

Mag kein gutes Englisch sein, spielt keine Rolle.

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Don’t be jealous.

9 Februar 2009

I walk amongst the shadows
of my secret dreams
keep them locked inside

grey nightmares
which I painted brightly
I trap myself every day

each time I greyscale my world
I come to realize that I already live my dreams.

(I.S. 02/09)

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Salzsäulengefährdet?

27 Februar 2008

Sie wagte den Blick ins Innere.

Eine groteske Mischung aus neongelben Technohosen, grellen Fellstoffen, diversem Szeneschmuck und Metal–Postern, kitschigen Gothicfiguren und Plattenregalen füllte das unübersichtliche Kellergewölbe; Die Verbindung des Unvereinbaren manifestierte sich an diesem absurden Ort.
Schwarz gekleidete Ledermantelträger drängten sich auf den zahlreichen Treppen an grell geschminkten Ravermädchen vorbei, ein ungeheurer Trubel herrschte.
Die Geräuschkulisse, die sie sich lebhaft vorstellen konnte, drang dank der dicken, schief eingepassten Scheiben nicht zu ihr nach draußen.
Noch während ihr bewusst wurde, dass sie – gleich Andersons „Mädchen mit den Schwefelhölzern“ – von Fenster zu Fenster gelaufen war, um die Bilder in sich aufzusaugen, bemerkte sie, dass etwas fehlte.
Einen suchenden Blick durch das kalte Glas später konnte sie ihn im Inneren ausmachen.
Für logisches Denken oder dergleichen war angesichts der in ihr aufsteigenden Panik wenig Zeit.
Die Jagd begann.

Sie wachte auf. Der Tag war gelaufen.

(Copyright liegt bei mir.)

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Rastlosigkeit und der Ur-Dualismus

10 September 2007

Faust (allein).
Erhabner Geist, du gabst mir, gabst mir alles,
Warum ich bat. Du hast mir nicht umsonst
Dein Angesicht im Feuer zugewendet.
Gabst mir die herrliche Natur zum Königreich,
Kraft, sie zu fühlen, zu genießen. Nicht
Kalt staunenden Besuch erlaubst du nur,
Vergönnest mir, in ihre tiefe Brust
Wie in den Busen eines Freunds zu schauen.
Du führst die Reihe der Lebendigen
Vor mir vorbei, und lehrst mich meine Brüder
Im stillen Busch, in Luft und Wasser kennen.
Und wenn der Sturm im Walde braust und knarrt,
Die Riesenfichte stürzend Nachbaräste
Und Nachbarstämme quetschend niederstreift,
Und ihrem Fall dumpf hohl der Hügel donnert,
Dann führst du mich zur sichern Höhle, zeigst
Mich dann mir selbst
, und meiner eignen Brust
Geheime tiefe Wunder öffnen sich.
Und steigt vor meinem Blick der reine Mond
Besänftigend herüber, schweben mir
Von Felsenwänden, aus dem feuchten Busch
Der Vorwelt silberne Gestalten auf
Und lindern der Betrachtung strenge Lust.
O dass dem Menschen nichts Vollkommnes wird,
Empfind’ ich nun. Du gabst zu dieser Wonne,
Die mich den Göttern nah und näher bringt,
Mir den Gefährten, den ich schon nicht mehr
Entbehren kann, wenn er gleich, kalt und frech,
Mich vor mir selbst erniedrigt, und zu nichts
Mit einem Worthauch, deine Gaben wandelt.
Er facht in meiner Brust ein wildes Feuer
Nach jenem schönen Bild geschäftig an.
So tauml’ ich von Begierde zu Genuss,
Und im Genuss verschmacht ich nach Begierde.

Nicht umsonst die einzigen Zeilen im ganzen Stück, die ohne Reime auskommen.

Ich fühle mich ihnen verbunden, sie drücken aus was ich schwer kann – der benötigte, melancholisch-nachsinnende Akt des Sehnens ist letztenendes ebenso notwendig wie das „Ziel“, der Genuss selbst. Und wird so selbst zum Genuss.

Wobei wir wieder bei unserem Kreis und bei „Der Weg ist das Ziel“ wären, und den Bogen zur Frage „Was sind ‘gut’ und ‘böse’?“ schlagen sollten.

Zwei Möglichkeiten bieten sich an:

1.: Gut und Böse sind real existierende Entitäten auf ontologischer Ebene. Sie sind sozusagen Prinzipien des Seins oder Strukturmomente des Seins. Der Mensch erkennt diese Strukturen. Sie haben auch unabhängig vom Menschen Gültigkeit.

2: Gut und Böse sind begriffliche Konstrukte. Ihnen kommt auf ontologischer Ebene keine Realität zu. Sie sind Strukturmomente des menschlichen Verstandes, unabhängig vom Menschen haben sie keine Realität. (Nicht weil dann niemand da wäre, der sie erkennen könnte, sondern weil es sie dann gar nicht gäbe.)

Die erstere, auch durch das Christentum geprägte Interpretation ist heute eher weniger gebräuchlich,aber ebenso interessant.

Für die zweitere Interpretation sprechen mehrere Punkte:

-Jeder Mensch trifft über die Dinge in seiner Welt objektive Aussagen und bewertet sie individuell. Diese Bewertungen unterscheiden sich demnach von Mensch zu Mensch.

-Sind ‘böse’ Dinge, die man bekanntlich zwingend braucht, um das ‘Gute’ überhaupt wahrzunehmen (wie bei Licht/Schatten) wirklich ‘böse’? Kann etwas das der Mensch braucht auch auf den zweiten Blick wirklich ‘böse’ sein? Kann somit eine allgemeingültige Bewertung als eindeutig ‘gut’/'böse’ überhaupt gemacht werden?

Und letztenendes:

-Ist es einem Menschen, der den (durch soziodynamische Prozesse selbsterschaffenen?) Dualismus ‘gut’/'böse’ zwingend benötigt, um sein Leben zu strukturieren, überhaupt möglich, über selbigen rational nachzudenken? Schließlich ist jenes Denken fest im Griff dieser Einordnung. Eine Andere Vernunft/Einordnung als die des Menschen ist für einen Menschen nur schwer nachvollziehbar

-Wenn ‘gut’ und ‘böse’ eigentlich beide ‘gut’ sind (wenn auch nur über das Prädikat „notwendig, um das ‘Gute’ zu erkennen“) ,warum fällt dieser Dualismus dieser Tatsache nicht zum Opfer? Warum hat der Mensch den (für ihn) orientierunglosen Zustand des „Zusammenfalls der Gegensätze“ noch nicht flächendeckend ereicht?

Richtig, weil er ihn braucht wie kaum etwas anderes auf geistig-moralischer Ebene. Und weil der Mensch letztenendes auch „notwendige“ Dinge wie z.b. Seuchen, Kriege, Streit,.. nicht als ‘eher gut’ sondern als ’schlecht’ ansieh – ist wohl mit dem Überlebenstrieb gekoppelt fest in uns verwurzelt.

Hier könnte ich wieder den Bogen zu Nirwana, Erleuchtung, Seelenfrieden, Selbstlosigkeit – oder, falls man den Zusammenfall für etwas ‘Schlechtes’ hält, zu Rastlosigkeit, Nihilismus u.ä. – schlagen.
Die Einschätzung der eigenen Lage als ’schlecht’ geht einem ‘guten’ Interpretation meist voraus. Erstere geht mit der Wahrnehmung, letztere mit der Akzeptanz des Zusammenfalls einher.

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-’gut’/'böse’ in diesem Artikel sind Stellvertreter für sämtliche Einordnungen unter diese zwei Oberbegriffe (z.B. angenehm,schön,.. zu ‘gut’ /unangenehm,hässlich,.. zu ‘böse’ bzw ’schlecht’)

-Alles oben Geschriebene sind lediglich Thesen aus meinem Blickwinkel heraus, ich bezweifle die Existenz einer allgemeingültigen Lösung des Konflikts. Andere Menschen können hier grundlegend anders denken.

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Gedankennetze spannen.

7 Mai 2007

Gerade noch hatten sie sich über das Knattern der alten Motoren beschwert, sich angesichts des Preises von zwei Groschen, den der Fischer ihnen für die Rundfahrt genannt hatte, ins Fäustchen gelacht und der jungen Mutter zugeschaut, die genervt ihr kleines blondes Töchterchen, das seiner dahinschmelzenden Eiskugel hinterherquengelte, zu beruhigen suchte.

Viele hatten sich ausgemalt wie es wohl wäre, dem Mädchen eine weitere Kugel zu spendieren und im Geiste bereits das glockenhelle Lachen gehört, zu dem nur Kinder fähig sind.

Die Vorstellung in die Tat umgesetzt hatte keiner.

Nicht der selbstgefällige Geschäftsmann, dessen Lieblingsthemen Aktienkurse und Geldanlagen waren und der seit seiner Scheidung jeden Abend eine halbe Flasche Johnny Walker Blue Label zu vernichten pflegte, auch nicht die alte, sanftmütige Frau, die trotz der irisierenden Blaufärbung des Wassers über den berühmten Korallenbänken kaum einmal von ihrem Buch aufschaute, das mit ihr gealtert zu sein schien.

Das kleine Mädchen mit den blonden Haaren hatte sich indessen unter den wachsamen Augen seiner Mutter weit über die Reling gebeugt, staunte über die Fische, die fröhlich durch die Korallen glitten und scherte sich – sehr zum Verdruss der Mutter, die um das blasslila Hemd fürchtete – nicht um die abblätternde Farbe, die das ärmliche Fischerboot nur leidlich verschönert hatte.

Der Geschäftsmann fragte sich währenddessen, wie er auf die schwachsinnige Idee gekommen war, eine Reise würde ihn seine Probleme vergessen lassen, und sehnte sich nach der Hotelbar. Die alte Frau genoss die untergehende Sonne und las die letzten Seiten.

Der Fischer wusste, dass ihn noch viel Arbeit erwartete – die Netze mussten eingeholt, geflickt und zum Trocknen ausgebreitet werden, der erwartungsgemäß geringe Fang musste verkauft und das Boot angebunden werden.

Versonnen strich der bärtige Mann über das sonnengewärmte Segel. Er lächelte wie das kleine blonde Mädchen, das ihn beim Anlegen so glücklich angestrahlt hatte.

(Copyright liegt bei mir.)