Warum ist es anscheinend so schwer, Menschen zum Lachen zu bringen, und so leicht, sie melancholisch, nostalgisch, traurig, berührt zu machen?
Alles was ich heute unter dieser Überschrift zu Papier bringe, muss mit Sicht auf meine Person interpretiert werden, es sind die Gedanken eines kunstinteressierten, kritischen Menschen, der in der Tat von Kunst leichter zur Melancholie als zum Lachen gebracht werden kann.
Auch rede ich von den in meinen Augen eher „klassischen“ Künsten, oder zumindest Kunstformen, die auch ein „Intellektueller“ oder Kritiker als solche anerkennen würde – Poesie und Prosa, Theater/Kabarett (nicht Comedy), Film.
Mir persönlich scheint es leichter zu sein, einen guten und nachdenklichen, traurigen (wenn auch nicht kitschigen) Film zu drehen, als eine wirklich gute Komödie – jedenfalls habe ich von ersteren mehr gesehen als von zweiteren, und ich suche konstant nach beidem.
Es gibt vielleicht nur einen Aronofsky, einen Kubrick unter vielen Halbgrößen, aber immerhin eine solide Schicht „guter“ Regisseure ernster Filme.
Loriot und Monthy Python gehören der vergangenen Generation an, die Zeit von Jim Carrey oder Ben Stiller hallt nur noch ein wenig nach.
In der Literatur sieht es nicht anders aus – viele Meister großer Gefühle mengen sich mit wenigen außerordentlichen Autoren mit feinsinnigem Humor – Jandl, Morgenstern, Ringelnatz stehen in der Poesie einer Übermacht ehrwürdiger Namen gegenüber;
Die großen Helden der Weltliteratur – Poe, Goethe, Kafka,.. – sind weithin bekannt.
Fällt jemandem auf Anhieb eine solche Größe in der komischen Prosa ein?
Theater, und wir reden hier nicht mehr wie im Altertum von einer Balance zwischen Tragödien und Komödien, sondern des Öfteren von einer Darstellung menschlichen Niedergangs, eines Dilemmas, einer allzumenschlichen Problemstellung.
Dem gegenüber stelle ich hier das Kabarett, das immer seltener wird.
Über das Ganze möchte ich mich keineswegs beklagen, bereitet mir doch auch das Ernste unheimlich viel Freude.
Ich denke es entspricht der ureigensten Natur unserer Emotionswelt, dass wir uns eher rühren als zum Lachen bringen lassen; Dass ein und derselbe Witz langweilig wird, wohingegen dasselbe tragische Thema (z.B. der Verlust eines geliebten Menschen oder die Sinngebung des eigenen Lebens) auch nach drei Filmen nicht langweilig wird.
Es ist dadurch natürlich auch einfacher etwas Tragisches als etwas Lustiges zu fabrizieren, da man sich nur im großen Pool menschlicher Ängste und Sehnsüchte bedienen muss. Die Schwierigkeit ist hier, die passenden Bilder zum Erzählten zu finden.
Humor ist sehr viel individueller, und kulturell verschiedener, allerdings leichter zu übermitteln, da ein Witz ein Selbstläufer ist. Die Bilder sind oft zweitrangig.
Außerdem scheint sich das Klischee zu bewahrheiten, dass große Künstler, vor allem die Träumer unter ihnen, eher ernste Wesen sind.
Umso größer mein Respekt für Menschen wie Jandl oder Loriot, auch wegen ihrer bewussten Wahl der komischen Seite.
Der Ernst scheint auch finanziell einträglicher zu sein, darüberhinaus prestigeträchtiger, geachteter.
Mehr zum Lachen wäre irgendwie schön, man muss die Kleinode ja mit der Lupe suchen.
Tips? Her damit!
I.S. 24.11.200ss




