Archive for the ‘Gedanken’ Category

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Reality – the big divide

12 Oktober 2016

How is life at 80 in 2016’s Germany? I come to ask myself this question as I sit in a crowded, delayed train in Autumn. Opposite of me sits an old couple, a woman with short white hair and a gentle expression. She reminds me of my grandmother who passed away three years ago. No make-up, thin lips, wrinkles. A kind face, one of those people who probably never expected as much from life as my generation does today and ended up working hard, getting up early, sacrificing a lot – yet strangely content.
Her husband’s attire is typical of his age group – grey pants, red buttoned sweater, black leather satchel. Their wedding rings are rather modern, as they are broader than the typical old school shiny gold rings my grandparents wore, which makes me think they must be higher educated or at least more “Bildungsbürger” (a kind of Bohemian, often middle class) than I would have thought at first glance.
As I watch them I notice their interaction – there’s communication even though she’s doing a crossword puzzle in a woman’s magazine. When they aren’t talking, he looks around and watches all the people in the compartment. I’m listening to music on my phone while letting my gaze wander myself, the guy next to me writes something on his laptop. The woman and man next to him are busy with their respective phones.
I wonder how it feels to not own a phone, not to use a laptop on a day to day basis. The old man’s expression doesn’t reveal his feelings. No disdain, derision or judgement. At most, he appears to be something between curious and confused. His mouth slightly gaping, he takes in everything, yet at a much slower speed as I do. I wonder if he finds it a pity that people are busy with devices rather than people. I wonder how his generation managed to shut out the outside world when needed or if they just didn’t have the need for it in the back then much slower world. I find myself longing for a time when digital devices had been unheard of. At the same time, I am grateful for all the possibilities to interconnect people across borders and cultures this easily.
He catches my gaze, I’m slightly ashamed having watched him so closely. I smile at him and look away before he has the chance to return the gesture.

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Moral, oder warum ich nicht konservativ bin.

17 September 2014

Ich habe oft über Politik nachgedacht und darüber, wieso ein Volk einem bestimmten moralischen Kompass folgt, welchem es folgen sollte und folgen wird, die geschichtlichen Gründe für diese Regeln und die kognitiven Grenzen, an die jedes Individuum stößt, wen es um die Frage geht, welche Entscheidung getroffen werden soll und welche Meinungen verteidigt werden sollen.

Mehr und mehr komme ich zur Erkenntnis, dass es eigentlich nur zwei Typen politische Wesen gibt: „Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen manche Menschen Mauern und andere Windmühlen“ – Warum ist das so, und vor allem – warum würde irgendjemand Mauern bauen wollen?

Veränderung ist nie einfach. Sie verängstigt Menschen zutiefst, sei es eine neue Situation im Privatleben wie eine neue oder verlorene Liebe, die Geburt eines Kindes, ein neues Zuhause, oder öffentliche Fragen im gesellschaftlichen Diskurs, wie z.B. Europas neue Freiheiten im Hinblick auf die freie Länderwahl, die wirtschaftliche Rezession oder die „Immigrantenfrage“, der sich Regierungen auf der ganzen Welt stellen müssen. Ich verstehe das, es geht mir nicht anders. Veränderung macht Angst.

Der Trick dabei ist jedoch, sich nicht von Ängsten und Furcht übermannen zu lassen, dem ersten Panikimpuls nicht nachzugeben, sondern sich hinzusetzen und nachzudenken. Es kostet Energie, die wir nicht jeden Tag haben, aber es ist essentiell. Jeder, der auch nur eine Vorlesung in kognitiver Psychologie oder Sozialpsychologie besucht hat, weiß, dass es leichter ist, etwas unreflektiert zu übernehmen als es zu reflektieren und, wenn nötig, zurückzuweisen. Es bedarf Energie und eines gewissen Niveaus kognitiver Fähigkeiten (nicht unbedingt Intelligenz), um das zu tun. Es kann schmerzhaft sein, weil das Nachsinnen über die Welt und die Dinge, die um uns herum passieren, zwangsweise unsere Emotionen beeinflussen wird. Möglicherweise werden wir wütend, verzweifelt oder traurig. Menschen haben zwei basale kognitiv-affektive Bedürfnisse: Die Welt um sich herum zu verstehen und sich gut mit sich selbst zu fühlen. Warum sollte irgendjemand dies also bewusst riskieren?

Die Antwort auf diese Frage ist meiner Meinung nach so einfach wie offensichtlich: Es gibt ein höheres Ziel, einen höheren moralischen Zustand, den es zu erreichen gilt. Wir können keinen Staat, keine Zukunft, keine Existenz auf Angst begründen, denn wir sehen tagtäglich, welch ein schlechter Führer solche Emotionen sind. Überall, vor allem online, äußern Menschen rassistische, homophobe, hasserfüllte und rückständige Meinungen, die sie oft gegen jeden richten, den sie auf irgendeiner Ebene als „die Anderen“ wahrnehmen. Ich verstehe, dass sie menschliche Kognition im Wesentlichen eine dualistische ist, die stark von zwei Extremen abhängt, in deren Zwischenraum wir die Welt wahrnehmen, aber es ist unsere Entscheidung, wo wir die Grenze ziehen. Jemand, den wir intuitiv als „anders“ bewerten würden kann mit ein wenig Anstrengung als „ähnlich“ neu bewertet werden.

Eine Äußerung, mit der ich tagtäglich konfrontiert werden (zumindest wenn ich online bin), ist irgendwas in Richtung „Wir können das nicht zulassen, denn dann werden wir irgendwann zur Minderheit im eigenen Land/warum sollten wir?/wir waren hier vor diesen Leuten, also haben wir mehr Rechte“. Mögliche Beispiele für Diskussionen, bei denen eine verstörende Anzahl Leute ähnliche Meinungen äußern sind gleichgeschlechtliche Partnerschaften, muslimische Immigranten, Frauen- und Männerrechte und im Allgemeinen viele Themen, bei denen darüber diskutiert wird, bestimmten Gruppen oder Individuen mehr Rechte einzuräumen.

Was können wir daraus ableiten? Menschen fürchten Veränderung. Menschen sind territorial. Menschen tendieren dazu, Mauern zu bauen, um das zu beschützen, was sie als “ihres” wahrnehmen. Sie haben die grundlegendste Dynamik unserer Welt nicht verstanden: Dinge verändern sich, ob wir es wollen oder nicht. Dinge haben eine Dynamik, die wir beeinflussen können, aber nie beherrschen werden. In allen Phasen der Geschichte haben sich die Menschen über Veränderungen beschwert: interlinguistische Einflüsse (zwei oder mehr Sprachen, die einander beeinflussen, z.B. in Form von Lehnwörtern, Anglizismen, Dialekten oder Chatsprache) werden verdächtigt, zur Degeneration bestehender Sprachen beizutragen, neuen Technologien und Medien (das Lesen von Romanen vor 200 Jahren, in neuerer Zeit Videospiele, das Internet, Smartphones) wird seit jeher nachgesagt, sie verderben die Jugend, Immigranten mit anderen Sprachen, Kulturen oder äußerlichem Auftreten werden als zersetzende Faktoren für bestehende Gesellschaften gebrandmarkt und Menschen, die ihr Recht auf Selbstbestimmung als mündige Menschen einfordern, was ihre Sexualität, ihr Geschlecht oder ihre Familienplanung betrifft, werden lächerlich gemacht oder abgewertet. Trotz aller Vorurteile und Intoleranz, trotz vieler politischer und religiöser Gegenbewegungen und anderen Hindernissen hat die Geschichte in allen oben genannten Fällen gezeigt, dass die Veränderungen dennoch unaufhaltsam sind. Warum sollte man sich ihnen dann wiedersetzen?

Ich plädiere nicht für fatalistische oder nihilistische Weltsichten, ich sage vielmehr, dass die Dinge gut sind, wie sie sind. Veränderungen sind nichts, wovor man sich fürchten muss und der momentane Zustand der Welt, wie wir sie kennen, ist nicht notwendigerweise besser als das, was noch kommen wird (obwohl ein Blick die Geschichtsbücher vermuten lässt, dass die Welt der Zukunft in vielerlei Hinsicht besser sein wird als die heutige) – die heutige Welt ist nur die einzige, die wir kennen und wir fühlen uns sicher in etwas Vertrautem.

Das wiederum bringt mich zu meiner anfänglichen Motivation, etwas zu schreiben – warum ich nicht konservativ bin. Das generelle Bestreben konservativer („bewahrender“) Menschen ist es, die als gut wahrgenommenen Dinge in der Welt zu bewahren, während die progressiven (in Amerika: liberalen) Zeitgenossen davon ausgehen, dass die Welt immer noch verbessert werden kann: „Bring in the new!“ Wir wissen mittlerweile, dass jede zu extreme Weltsicht zum Scheitern verurteilt ist, also wird die Lösung wohl irgendwo zwischen diesen beiden Polen liegen. Wenn ich jedoch an der Wahlurne stehe, entscheide ich mich nie für gemäßigt konservative Parteien und sympathisiere mit den moderat progressiven. Weshalb?

Ich glaube, dass es einfacher ist, sich auf die Dinge zu einigen, die dringend einer Verbesserung bedürfen als auf Dinge, die bereits gut sind. Oder anders ausgedrückt: Moral verändert sich, Ethik ist universeller. Konservative Parteien basieren ihre Ziele auf moralische Grundsätze, die nicht für alle Menschen gültig sind, wohingegen progressive Parteien eine integrativere Herangehensweise wählen, die auf allgemeinen ethischen Prinzipien basiert, die für alle Menschen gleichermaßen gelten. Moralische Richtlinien existieren und vergehen mit der Kultur, die sie nährt und den Menschen, die sie verbreiten und vertreten, während ethische Grundsätze sui generis existieren – in ihrem eigenen Recht, auf einer höheren Ebene. Sie tendieren dazu, utopisch zu sein, aber das ist ein Risiko, das ich gewillt bin zu nehmen. Es ist ein Versuch, Windmühlen zu bauen.

Progressiv zu sein bedeutet, vorauszudenken, um Probleme zu verhindern, nicht um Veränderungen zu verhindern. Manche meiner Gesprächspartner vertreten die Meinung, dass manche konservative Parteien die bessere Wirtschaftspolitik machen und mehr Wohlstand garantieren könnten, aber selbst wenn sie damit Recht hätten, würde ich diese Vorteile den ethischen Vorteilen der progressiven Weltsicht opfern. Man mag mir jetzt vorwerfen, dass ich mir diese Meinung nur leisten kann, weil ich in einem Bett schlafe und genügend Kleidung und Lebensmittel zu meiner Verfügung habe, aber ich bin anderer Meinung: Moral ist ein solcher Luxus, Ethik nicht.

Ich glaube, dass philosophisch-ethische Grundsätze die Basis jeder Gesellschaft sind und in unserer Existenz angelegt und damit nicht das bloße Resultat unserer Erziehung und Kultur sind. Ich glaube, dass Veränderungen essenziell gut sind, auch wenn sie nicht immer leicht zu akzeptieren sind. Ich glaube, dass seine Ängste loszulassen und Veränderung zuzulassen vorteilhafter ist als Energie damit zu verschwenden, Entwicklungen verhindern zu wollen, die sich mit ethisch vertretbaren Mitteln nicht verhindern lassen. Ich glaube, dass Fortschritt besser ist als komfortabler Stillstand. Und ich glaube, dass ein explorativer Vertrauensvorschuss an die Welt besser ist als verbittert zu werden aus Angst vor dem Unbekannten.

I.S. 17.09.2014

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Wahlstrategien

27 März 2011

Pünktlich zur „Schicksalswahl“ in Baden-Württemberg ein Kommentar zu dem, was die Deutschen zur Zeit in immer größerer Zahl von sich geben, wenn es um Wahlen, Parteien und Politik im Allgemeinen geht.

Da wird für Atomkraft plädiert mit dem Argument, das wäre immerhin besser als „der Populismus der anderen“, es wird die eine Partei gewählt um „die Verbrecher von Partei X zu verhindern“ und ein über Wochen vollzogener Haltungswechsel wird sofort als „Fähnchen im Wind“-Merkmal deklariert. Kleine Details aus dem Wahlprogramm oder dem Privatleben der Kandidaten werden als Grund genommen, diese aufs Derbste zu beleidigen und die gesamte Partei zu verteufeln, sehr oft artet dies in eine Art Hass und Hetze aus.

Diese Beobachtungen habe ich nicht aus der BILD-Zeitung, sondern aus meinem Alltag. Da gibt es gute alte Freunde, die mir im Vollbesitz ihrer Kräfte erzählen, dem Islam müsse im Hinblick auf unsere Kultur dringend Einhalt geboten werden, da gibt es Menschen, die die über Nacht veränderte Haltung der CDU zum Atomstrom als große Tat feiern, die über Wochen vollzogene Wandlung der SPD von Stuttgart-21- Befürwortern zu -Gegnern allerdings pauschal als populistisches Feuerwerk ansehen. Auch vollkommen frei jeglicher politischen Meinungsäußerung ist hier zu sagen: Das ist nicht logisch.

DAS ist Populismus – den Gegner in Misskredit zu bringen, weil er dieselben Dinge tut wie man selbst, und das noch als gutes Argument zu verkaufen.

Zu einem anderen oben genannten Punkt: Ich finde es traurig, dass Parteien nicht mehr nur gewählt werden, weil man sie für die „beste Lösung unter schlechten Lösungen“ hält, sondern nur weil man eine andere, auf die man sich eingeschossen hat, zum Verlierer machen möchte. Das erinnert an eine Wahl der letzten Jahre, in der Wahlplakate mit „Koalition X verhindern“  die Landschaft prägten. Wie weit ist es schon gekommen mit einer politischen Gesellschaft, wenn das einzige Argument für eine Partei die (künstlich geschürte) Angst vor einer anderen ist?

Was mir des Weiteren mehr und mehr auffällt ist, dass es den (jungen) Wählern trotz eventuellem politischem Engagement anscheinend an guten Argumenten fehlt. „Partei X ist doch viel schlimmer, die mit ihrem Populismus“ – gemeint ist damit wahlweise der Protest gegen S21 oder der Protest gegen die Atomkraft. Man kann für oder gegen diese Projekte sein, das spielt keine Rolle – zum guten Umgang mit den Mitmenschen anderer politischer Kulör gehört aber auch ein Mindestmaß an Respekt. Es spielt doch überhaupt keine Rolle, ob eine Partei von einer Protestbewegung profitiert, es profitieren nämlich alle Parteien von Meinungsströmungen im Volk. Es zeugt von mangelndem Respekt anderer Meinungen, wenn man deren Vertretern pauschal unterstellt, Opfer von Populisten geworden zu sein.

Ich wünsche mir mehr Respekt auf beiden Seiten, mehr Austausch von Argumenten (am Besten nicht aus dem Wahlprogramm, sondern aus den Taten) und für mich ganz persönlich weniger Argumente wie „du bekommst das ja eh nicht mit, wenn hier alles den Bach runtergeht“ – sein Leben im Ausland zu führen hat so gar nichts damit zu tun, wie die Meinung ausfällt.

Mehr Respekt, mehr Sachlichkeit, mehr Leidenschaft ohne Hetze. Danke.

I. S., 27.03.2011

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„Russische Erzählungen“: Eine Möchtegern-Rezension.

8 Oktober 2010

Ich lese gerade „Russische Erzählungen“, eine von Reclam herausgegebene Sammlung von Kurzgeschichten und Romanauszügen bekannter Russischer Autoren..
Aus reiner Neugier gekauft, wabert doch um das Russland der Zarenzeit diese edle, leidenschaftliche und wohlgesonnene Stimmung, die man in Texten über diese Zeit findet, und die sich so von meinem Bild vom modernen Russland unterscheidet. Somit ist bereits die Epoche an sich für mich die reinste Romantik.
Das Buch enttäuscht nicht. Ich frage mich zwar, ob ich nicht irgendwann doch ein paar Brocken Russisch lernen sollte, aber davon abgesehen ist es großes Lesevergnügen.

Man taucht in eine Welt ein, deren Erzähltechnik einem vor allem aus der deutschen Märchenwelt bekannt vorkommt, und die vorherrschenden Themen sind Werte wie Bescheidenheit und Gutherzigkeit, das romantische Motiv des unschuldigen Gottvertrauens und vor allem eines – das der Liebe.
Das der zunächst unschuldigen, zarten, bald aber alles verzehrenden ersten tiefen Leidenschaft, des vollständigen Versinkens in ein Gegenüber, das den Leser mitreißt. Er wird mitgenommen auf eine Zeitreise ins eigene, vergangene Ich, und man findet sich wieder, wo man vor Jahren stand.
Das Geliebte war natürlich nie so rein, so schön, so unschuldig und wertvoll, wie man es nach später nachfühlt, was der heilenden Kraft des Erinnerns geschuldet ist, Gutes zu verstärken und Schlechtes verblassen zu lassen.
Das spielt keine Rolle, denn darum geht es den Autoren auch nicht. Es spielt auch keine Rolle, ob der Autor die Geschichte selbst erlebt oder einfach nur gut erfunden hat.
Man verliert sich zwischen den Seiten in Tagträumen, erlebt noch einmal – oder zum ersten Mal, denn die Realität sah oft anders aus – die Überwindung der Schüchternheit, das Erröten der Wangen, nächtliche Liebesschwüre, Ängste und Sinnlichkeit. Die kleinen Dramen des Alltags, die Glücksseeligkeit der Nächte. Das körperliche Begehren, das Teilen eines Körpers, das Vertrauen.
Die grausame Enthemmung, den schmerzlichen Verlust.
Nach Jahren, oft Jahrzehnten der Verarbeitung stellt sich endlich ein Lächeln beim Zurückdenken ein, die Dankbarkeit für das Gute überstrahlt die Verbitterung über den damals empfundenen Schmerz.
Ich gehe davon aus, dass jeder, der in seinem Leben einmal wahrhaft und mit ganzer Seele geliebt hat, diesen Ablauf kennt. Die erste Liebe geht einem nie aus dem Kopf, und dieses Phänomen ist etwas wunderbares, das hier gekonnt benutzt wird.

Eine wunderbare Entführung; In ein Land, eine Zeit, und die eigene Romantik.

I.S., 07.10.2010

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Drogenmusik.

27 April 2010

Wenn ich Hippiemusik höre, oder auch nur Musik aus grob den Jahren 1967 bis 1975, machen sich zwei Gefühle breit.
Einerseits das freie, glückliche Gefühl, man könne sich einfach nur Blumen ins Haar stecken, und nach San Francisco ziehen, um einen Tag barfuß zu tanzen, und das Bedauern, dass diese Zeiten vergangen sind.
Andererseits das dunkle, Gänsehaut erzeugende Wissen um die Abgründe dieser „Glücklichkeit“.
Ich habe mich in letzter Zeit etwas mit den Metaphern in den Liedern beschäftigt, manche liegen auf der Hand, andere muss man interpretieren. Die Leere und Bedeutungslosigkeit findet man bei jeder Gruppe in zumindest einigen Songs. Und man fühlt sich selbst mehr mit der anderen Seite der Medaille konfrontiert, es tut mir geradezu psychisch weh, wie sich eine so scheinbar glückliche Generation daheim zittern auf dem Sofa zusammengekrümmt haben muss vor dem nächsten Schuss.
Der Traum wird schwarz, und beim Hören mischen sich fortan dunkle Gedanken ein.
Beispiele. Signifikantes in kursiv.

Jefferson Airplane – White Rabbit

One pill makes you larger
And one pill makes you small
And the ones that mother gives you
Don’t do anything at all

Go ask Alice
When she’s ten feet tall

And if you go chasing rabbits
And you know you’re going to fall
Tell’em a hookah smoking caterpillar
Has given you the call
Call Alice
When she was just small

When men on the chessboard
get up and tell you where to go
And you’ve just had some kind of mushroom
And your mind is moving low

Go ask Alice
I think she’ll know

When logic and proportion
Have fallen softly dead
And the White Knight is talking backwards
And the Red Queen’s off with her head
Remember what the doormouse said:
„Feed your Head
Feed your Head!“

Video:

http://www.youtube.com/watch?v=WANNqr-vcx0&feature=related

The Byrds (Bob Dylan) – Mr. Tambourine Man

Hey, Mr. Tambourine Man, play a song for me
I’m not sleepy and there ain’t no place I’m goin‘ to
Hey, Mr. Tambourine Man, play a song for me
In the jingle jangle morning, I’ll come followin‘ you

Take me for a trip upon your magic swirlin‘ ship
All my senses have been stripped
And my hands can’t feel to grip
And my toes too numb to step

Wait only for my boot heels to be wanderin‘

I’m ready to go anywhere, I’m ready for to fade
Unto my own parade
Cast your dancing spell my way
I promise to go under it

Hey, Mr. Tambourine Man, play a song for me
I’m not sleepy and there ain’t no place I’m goin‘ to
Hey, Mr. Tambourine Man, play a song for me
In the jingle jangle morning I’ll come followin‘ you

Video:

http://www.youtube.com/watch?v=zshu_nPY-tU

The Rolling Stones/Marianne Faithful – Sister Morphine

Here I lie in my hospital bed
Tell me, Sister Morphine, when are you coming round again?
Oh, I don’t think I can wait that long
Oh, you see that I’m not that strong

The scream of the ambulance is sounding in my ears
Tell me, Sister Morphine, how long have I been lying here?
What am I doing in this place?
Why does the doctor have no face?

Oh, I can’t crawl across the floor
Ah, can’t you see, Sister Morphine, I’m trying to score

Well it just goes to show
Things are not what they seem
Please, Sister Morphine, turn my nightmares into dreams
Oh, can’t you see I’m fading fast?
And that this shot will be my last

Sweet Cousin Cocaine, lay your cool cool hand on my head
Ah, come on, Sister Morphine, you better make up my bed
‚Cause you know and I know in the morning I’ll be dead
Yeah, and you can sit around, yeah and you can watch all the
Clean white sheets stained red.

Video:

http://www.youtube.com/watch?v=gtz8qZz6s8s

Tom Petty and the Heartbreakers – Last Dance with Mary Jane

She grew up in a Indiana town,
Had a good lookin‘ mama who never was around.
But she grew up tall and she grew up right
With them Indiana boys on an Indiana night.

Well she moved down here at the age of eighteen,
She blew the boys away; was more than they’d seen.
I was introduced and we both started groovin‘
She said, „I dig you, baby, but I got to keep movin‘ – on.
Keep movin‘ on.“

Last dance with Mary Jane, one more time to kill the pain.
I feel summer creepin‘ in and I’m tired of this town again.

Well I don’t know but I’ve been told, you never slow down,
you never grow old.
I’m tired of screwin‘ up, tired of goin‘ down,
Tired of myself, tired of this town,
Oh my, my, oh hell yes – Honey put on that party dress.
Buy me a drink, sing me a song,
Take me as I come cause I can’t stay long.

There’s pigeons down on Market Square,
She’s standing in her underwear.
Lookin‘ down from a hotel room,
Nightfall will be coming soon.
Oh my, my, oh hell yes, you got to put on that party dress.
It was too cold to cry, when I woke up alone.
I hit my last number, I walked to the road.

Video:

http://www.youtube.com/watch?v=L5pHM-o2_Dk

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What is a person?

11 Dezember 2009

What is a person?

When I look at the latin meaning („personare“ = to sound through something, penetrate), a person is nothing but what penetrates the mask we all wear.
The root of the word is the old roman theatre – a „person“ was the character of the mask-wearing actor. The actual face was not visible for the audience, the voice made the character.
According to this, I am defined as the voice I have, the words I speak. Mind.
Not body, not hidden abilities, not the whole psyche. That’s the downside of this fascinating topic.
However, the good point about it is the wisdom within we recognize when we look at human shallowness. If everyone just chooses a mask, what do we do with superficiality then? Is there less chance for it?
All this, however, doesn’t work in our times anymore.

Today we even give the masks some character of its own, make it to a small, us-related – yet often extranious to us – character that hides our actual face, our body, our deepest wishes and desires.
Once people chose a mask like „eccentric“ or „posh“ to encrypt themselves (also of course because of peer pressure and rules of society), now we see „scenes“ more than ever before. In fields of music, sports, culture and freetime, we always find them. And most possibly belong to one or two of them already.
Our masks can change and hide our whole personality or just hide it from certain people – in this case our character is visible for people close to us.
We choose them if they fit our beliefs, character and abilities, or, in the worst case, because we want to be something we do not have the character for or society forces us to do so.
The 15-year-old punk or the perfect father with a weakness for child pornygraphy are just two of the same kind, although with very different reasons for and consequences of their choice.

On the other side of the mask our real character is hidden.
It may be hard to devide person (=mask) and „shadow“, how C.G. Jung called the actual character, but it is necessary for finding and keeping an identity of our own to have at least a clue what we are like without masks.
Only then it is possible for us to be in peace with ourselves, not suffering from missing identification, feeling torn apart etc.

As is read the first lines again I feel like I have to make clear what my point is – we seem to value the person-side more than what is behind. That could be because we know that it can be dangerous to get rid of the masks (which more or less are social ad-ons), because we don’t even think about the possibility that there could be more hidden behind, and, over all, the fear of confronting the own, pure self.

I.S. 10/11 2009

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Ernst und Humor.

25 November 2009

Warum ist es anscheinend so schwer, Menschen zum Lachen zu bringen, und so leicht, sie melancholisch, nostalgisch, traurig, berührt zu machen?
Alles was ich heute unter dieser Überschrift zu Papier bringe, muss mit Sicht auf meine Person interpretiert werden, es sind die Gedanken eines kunstinteressierten, kritischen Menschen, der in der Tat von Kunst leichter zur Melancholie als zum Lachen gebracht werden kann.
Auch rede ich von den in meinen Augen eher „klassischen“ Künsten, oder zumindest Kunstformen, die auch ein „Intellektueller“ oder Kritiker als solche anerkennen würde – Poesie und Prosa, Theater/Kabarett (nicht Comedy), Film.

Mir persönlich scheint es leichter zu sein, einen guten und nachdenklichen, traurigen (wenn auch nicht kitschigen) Film zu drehen, als eine wirklich gute Komödie – jedenfalls habe ich von ersteren mehr gesehen als von zweiteren, und ich suche konstant nach beidem.
Es gibt vielleicht nur einen Aronofsky, einen Kubrick unter vielen Halbgrößen, aber immerhin eine solide Schicht „guter“ Regisseure ernster Filme.
Loriot und Monthy Python gehören der vergangenen Generation an, die Zeit von Jim Carrey oder Ben Stiller hallt nur noch ein wenig nach.

In der Literatur sieht es nicht anders aus – viele Meister großer Gefühle mengen sich mit wenigen außerordentlichen Autoren mit feinsinnigem Humor – Jandl, Morgenstern, Ringelnatz stehen in der Poesie einer Übermacht ehrwürdiger Namen gegenüber;
Die großen Helden der Weltliteratur – Poe, Goethe, Kafka,.. – sind weithin bekannt.
Fällt jemandem auf Anhieb eine solche Größe in der komischen Prosa ein?

Theater, und wir reden hier nicht mehr wie im Altertum von einer Balance zwischen Tragödien und Komödien, sondern des Öfteren von einer Darstellung menschlichen Niedergangs, eines Dilemmas, einer allzumenschlichen Problemstellung.
Dem gegenüber stelle ich hier das Kabarett, das immer seltener wird.

 

Über das Ganze möchte ich mich keineswegs beklagen, bereitet mir doch auch das Ernste unheimlich viel Freude.

 

Ich denke es entspricht der ureigensten Natur unserer Emotionswelt, dass wir uns eher rühren als zum Lachen bringen lassen; Dass ein und derselbe Witz langweilig wird, wohingegen dasselbe tragische Thema (z.B. der Verlust eines geliebten Menschen oder die Sinngebung des eigenen Lebens) auch nach drei Filmen nicht langweilig wird.

Es ist dadurch natürlich auch einfacher, etwas Tragisches als etwas Lustiges zu fabrizieren, da man sich nur im großen Pool menschlicher Ängste und Sehnsüchte bedienen muss. Die Schwierigkeit ist hier, die passenden Bilder zum Erzählten zu finden.
Humor ist sehr viel individueller, und kulturell verschiedener, allerdings leichter zu übermitteln, da ein Witz ein Selbstläufer ist. Die Bilder sind oft zweitrangig.

Außerdem scheint sich das Klischee zu bewahrheiten, dass große Künstler, vor allem die Träumer unter ihnen, eher ernste Wesen sind.
Umso größer mein Respekt für Menschen wie Jandl oder Loriot, auch wegen ihrer bewussten Wahl der komischen Seite.
Der Ernst scheint auch finanziell einträglicher zu sein, darüberhinaus prestigeträchtiger, geachteter.

Mehr zum Lachen wäre irgendwie schön, man muss die Kleinode ja mit der Lupe suchen.
Tipps? Her damit!

I.S. 24.11.200ss