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synesthesia

12 Februar 2016

 

 

my fingers like to feel canvas, placing

little dots of colour in a corner, the blue dot which

lonely-ly

gazes over the surface, towering

on imaginary elevations.

another one in the other (corner), yellow

(like lemon sun)

softly now, magenta drips from my fingers into growing puddles, the

sheet knows lakes and oceans

pouring soul-dew from half-clean brushes

saturating surfaces with forceful strokes

wastefully, lavishly amply

and I KNOW YOU

like adam knew eve.

 

 

I.S.

12.02.2016

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Prayer.

21 Juli 2015

Charoon, don’t grab my throat so hard.

Eos, don’t burn the skies

 

Hear my invocation, eternal one.

I can feel your thunder in my heart

my mad queen and heinous king

 


„You’re not mine, child.

We were both a blind spot

In the third eye

 

You’re not ours to take

But will be given

What will make us tremble

With light, not sound,

Is knowing this:

 

When I take your breath

And your words evaporate

You will have known your name“

 

And the world turned from blue to fire.

And I knew.

 

 

July 2015

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Lichtnomaden.

31 Dezember 2014

Zerbrechlich, edel und gewunden
die Vorhänge aus goldnem Glas
ihr Licht wogt sanft an heimlichen Gestaden
vollendet und doch auch geschunden
ruhn unter ihnen zwei Nomaden.

Der, dem der Weg beginnt
geht nicht voran im Geisterlicht der Richter
Er atmet ein und singt Gesichter
die jedem Schlafenden wie Schwestern sind.

Der, dem die Wege enden
schläft nicht im Kreis der gläsern hellen Schatten
Er streckt sich, mag sich nicht ermatten
ergibt sich nur des Andern Händen.

///

Das Kind am Fuße der Geträumten
zieht die Decke aus Licht näher
und lächelt.

I.S. 31.12.2014

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Vilja.

22 Oktober 2014

Vilja hatte ihn einmal mehr nicht kommen hören. Er stand hinter ihr und schaute über ihre Schulter, in die Weite der Hügel und Täler hinein, die den sandigen Boden in allerlei Grüntönen zu bedecken wusste. Den knarrenden Wagen mit dem kleinen Eselchen hatte er weit hinter sich stehen lassen und hatte den letzten Teil der Anhöhe mühsam zu Fuß erklommen. Seine Enkelin drehte sich nicht um, so wie er keine Anstrengung unternahm, sie dazu zu bewegen. Schweigend verloren und kreuzten sich ihre Blicke an irgendeinem fernen Punkt, vielleicht einem besonders markanten Baum oder einer der langgezogenen Hügelketten. Nebel stieg auf und so manches Blatt war in diesem Herbst bereits von den Bäumen gefallen, auch wenn Vilja dieses Bild missfiel – Laub fiel nicht, es schwebte und segelte. Blätter waren wählerisch.

Zehn Jahre zuvor war das kleine Feld zu ihren Füßen, das jetzt kaum mehr als eine Wiese war und in diesem Jahr brachlag, eine hübsche Fläche voller großer, runder Kohlköpfe gewesen. Vilja hatte die große, warme Hand des Großvaters ergriffen und neugierig aufgeschaut. Ihr war nicht klar gewesen, was sie hier genau suchten und erwartete, dass das gütige, wettergegerbte Gesicht ihr mehr verraten würde. Er hatte ihren fragenden Blick wahrgenommen und zu ihr herabgeblickt. „Schau, wie schön und rund die Kohlköpfe sind“, forderte er sie mit einem kaum wahrnehmbaren Nicken seines Kopfes auf. Das Mädchen stocherte mit seinem ledernen Schuh in der schweren, vom Regen getränkten Erde herum und näherte sich den Kohlköpfen. Ihr erschloss sich nicht, was an ein paar Kohlköpfen so besonders war, dass man dafür in dieser Kälte den ganzen Weg zurücklegen musste. Fragend blickte sie zurück und bestätigte dem Großvater die schöne Form. Er lächelte. „Ein Kohlkopf ist so etwas Einfaches, und doch birgt er so viel Schönheit. Sieh dir die Blätter an, jedes ein wenig kleiner als das andere, perfekt versetzt, schützend umeinander gelegt“. Das Mädchen strich eine Strähne seines Haares zur Seite und begutachtete den Kopf nochmals. Als Vilja das Gefühl hatte, der Erwartung ihres Großvaters entsprochen zu haben, hob sie ihren Blick. Auf der Wange des alten Mannes hinterließ eine einzelne Träne ihre silbrig glänzende Spur und versickerte in seinem Bart, der ein sanftes Lächeln nicht verbergen konnte. „Verstehst du, Vilja?“ – „Ja, Großvater.“ Sie aber hatte sich ihm und seinen Worten nicht verbunden gefühlt und war auch sich selbst fremd geblieben. Dies wiederum hatte sie sehr wohl verstanden und deutlich den Stich ihrer beider Unverbundenheit gespürt.

Lange hatte sie damit gehadert und hatte sie der Schmerz über den kurzen Moment der Entfremdung zu Boden gedrückt. Sie war zeitweise wütend und verbittert dem alten Mann gegenüber gewesen, weil er ihr seine Gedanken nicht weiter eröffnet hatte, zeitweise voller Scham und Reue über ihre eigene Unfähigkeit, ihn zu begreifen. Viele Jahre vergingen, bis in ihr Vergebung zu reifen begann und zärtliche Dankbarkeit. Sie, die sich so lange gewünscht hatte, der alte Mann hätte ihr damals geholfen, zu verstehen, die die scheinbare Ferne in der Empfindung als so schmerzvoll erfahren hatte, begann zu verstehen. Ihr Geist begann, den Moment zu umfließen. Wie die Blätter eines Kohlkopfes entblätterte sich Welt nach Welt und gab ihren Blick frei. Wie hätte der gute, sanfte Mann sie dorthin ziehen und tragen sollen, wo sie von alleine ankommen würde? Und war es nicht gut gewesen, wie es war? – Er war er und sie war sie, wie töricht waren ihre Versuche gewesen, so zu sehen wie er.

Am nächsten Morgen war sie früh aufgestanden und hatte den Hügel erklommen, wo er sie gefunden hatte.

Mit von Silberstreifen umkränzten Augen blickte sie auf die Erde zu ihren Füßen. Schließlich teilten sich ihre Lippen, neue Farbe strömte in sie und im selben Moment, da sie seine Hand auf ihrem Rücken spürte, sagte sie leise: „Großvater, ich glaube, Kohl wäre gut im nächsten Jahr.“

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Untitled

23 September 2014

There is no summer cloud in heaven

No winter bliss remains

The sheep white sleep surrenders

To feast is like to gain

 

I gave my name in sorrow

The beautiful undone

The meadows made of iron

The mighty one to come

 

In such a holy pleasure

It is my weakest link

That holds a wondrous presence

That carves with no man’s ink

 

I saw it deep in winter

I saw its colours bloom

In blissful woes surrender

The aching arches swoon

 

Gaze far into the yonder

My mare, the bridled steer

Has trusted, won and conquered

My face away from here

 

 

I.S., 22.09.2014

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Moral, oder warum ich nicht konservativ bin.

17 September 2014

Ich habe oft über Politik nachgedacht und darüber, wieso ein Volk einem bestimmten moralischen Kompass folgt, welchem es folgen sollte und folgen wird, die geschichtlichen Gründe für diese Regeln und die kognitiven Grenzen, an die jedes Individuum stößt, wen es um die Frage geht, welche Entscheidung getroffen werden soll und welche Meinungen verteidigt werden sollen.

Mehr und mehr komme ich zur Erkenntnis, dass es eigentlich nur zwei Typen politische Wesen gibt: „Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen manche Menschen Mauern und andere Windmühlen“ – Warum ist das so, und vor allem – warum würde irgendjemand Mauern bauen wollen?

Veränderung ist nie einfach. Sie verängstigt Menschen zutiefst, sei es eine neue Situation im Privatleben wie eine neue oder verlorene Liebe, die Geburt eines Kindes, ein neues Zuhause, oder öffentliche Fragen im gesellschaftlichen Diskurs, wie z.B. Europas neue Freiheiten im Hinblick auf die freie Länderwahl, die wirtschaftliche Rezession oder die „Immigrantenfrage“, der sich Regierungen auf der ganzen Welt stellen müssen. Ich verstehe das, es geht mir nicht anders. Veränderung macht Angst.

Der Trick dabei ist jedoch, sich nicht von Ängsten und Furcht übermannen zu lassen, dem ersten Panikimpuls nicht nachzugeben, sondern sich hinzusetzen und nachzudenken. Es kostet Energie, die wir nicht jeden Tag haben, aber es ist essentiell. Jeder, der auch nur eine Vorlesung in kognitiver Psychologie oder Sozialpsychologie besucht hat, weiß, dass es leichter ist, etwas unreflektiert zu übernehmen als es zu reflektieren und, wenn nötig, zurückzuweisen. Es bedarf Energie und eines gewissen Niveaus kognitiver Fähigkeiten (nicht unbedingt Intelligenz), um das zu tun. Es kann schmerzhaft sein, weil das Nachsinnen über die Welt und die Dinge, die um uns herum passieren, zwangsweise unsere Emotionen beeinflussen wird. Möglicherweise werden wir wütend, verzweifelt oder traurig. Menschen haben zwei basale kognitiv-affektive Bedürfnisse: Die Welt um sich herum zu verstehen und sich gut mit sich selbst zu fühlen. Warum sollte irgendjemand dies also bewusst riskieren?

Die Antwort auf diese Frage ist meiner Meinung nach so einfach wie offensichtlich: Es gibt ein höheres Ziel, einen höheren moralischen Zustand, den es zu erreichen gilt. Wir können keinen Staat, keine Zukunft, keine Existenz auf Angst begründen, denn wir sehen tagtäglich, welch ein schlechter Führer solche Emotionen sind. Überall, vor allem online, äußern Menschen rassistische, homophobe, hasserfüllte und rückständige Meinungen, die sie oft gegen jeden richten, den sie auf irgendeiner Ebene als „die Anderen“ wahrnehmen. Ich verstehe, dass sie menschliche Kognition im Wesentlichen eine dualistische ist, die stark von zwei Extremen abhängt, in deren Zwischenraum wir die Welt wahrnehmen, aber es ist unsere Entscheidung, wo wir die Grenze ziehen. Jemand, den wir intuitiv als „anders“ bewerten würden kann mit ein wenig Anstrengung als „ähnlich“ neu bewertet werden.

Eine Äußerung, mit der ich tagtäglich konfrontiert werden (zumindest wenn ich online bin), ist irgendwas in Richtung „Wir können das nicht zulassen, denn dann werden wir irgendwann zur Minderheit im eigenen Land/warum sollten wir?/wir waren hier vor diesen Leuten, also haben wir mehr Rechte“. Mögliche Beispiele für Diskussionen, bei denen eine verstörende Anzahl Leute ähnliche Meinungen äußern sind gleichgeschlechtliche Partnerschaften, muslimische Immigranten, Frauen- und Männerrechte und im Allgemeinen viele Themen, bei denen darüber diskutiert wird, bestimmten Gruppen oder Individuen mehr Rechte einzuräumen.

Was können wir daraus ableiten? Menschen fürchten Veränderung. Menschen sind territorial. Menschen tendieren dazu, Mauern zu bauen, um das zu beschützen, was sie als “ihres” wahrnehmen. Sie haben die grundlegendste Dynamik unserer Welt nicht verstanden: Dinge verändern sich, ob wir es wollen oder nicht. Dinge haben eine Dynamik, die wir beeinflussen können, aber nie beherrschen werden. In allen Phasen der Geschichte haben sich die Menschen über Veränderungen beschwert: interlinguistische Einflüsse (zwei oder mehr Sprachen, die einander beeinflussen, z.B. in Form von Lehnwörtern, Anglizismen, Dialekten oder Chatsprache) werden verdächtigt, zur Degeneration bestehender Sprachen beizutragen, neuen Technologien und Medien (das Lesen von Romanen vor 200 Jahren, in neuerer Zeit Videospiele, das Internet, Smartphones) wird seit jeher nachgesagt, sie verderben die Jugend, Immigranten mit anderen Sprachen, Kulturen oder äußerlichem Auftreten werden als zersetzende Faktoren für bestehende Gesellschaften gebrandmarkt und Menschen, die ihr Recht auf Selbstbestimmung als mündige Menschen einfordern, was ihre Sexualität, ihr Geschlecht oder ihre Familienplanung betrifft, werden lächerlich gemacht oder abgewertet. Trotz aller Vorurteile und Intoleranz, trotz vieler politischer und religiöser Gegenbewegungen und anderen Hindernissen hat die Geschichte in allen oben genannten Fällen gezeigt, dass die Veränderungen dennoch unaufhaltsam sind. Warum sollte man sich ihnen dann wiedersetzen?

Ich plädiere nicht für fatalistische oder nihilistische Weltsichten, ich sage vielmehr, dass die Dinge gut sind, wie sie sind. Veränderungen sind nichts, wovor man sich fürchten muss und der momentane Zustand der Welt, wie wir sie kennen, ist nicht notwendigerweise besser als das, was noch kommen wird (obwohl ein Blick die Geschichtsbücher vermuten lässt, dass die Welt der Zukunft in vielerlei Hinsicht besser sein wird als die heutige) – die heutige Welt ist nur die einzige, die wir kennen und wir fühlen uns sicher in etwas Vertrautem.

Das wiederum bringt mich zu meiner anfänglichen Motivation, etwas zu schreiben – warum ich nicht konservativ bin. Das generelle Bestreben konservativer („bewahrender“) Menschen ist es, die als gut wahrgenommenen Dinge in der Welt zu bewahren, während die progressiven (in Amerika: liberalen) Zeitgenossen davon ausgehen, dass die Welt immer noch verbessert werden kann: „Bring in the new!“ Wir wissen mittlerweile, dass jede zu extreme Weltsicht zum Scheitern verurteilt ist, also wird die Lösung wohl irgendwo zwischen diesen beiden Polen liegen. Wenn ich jedoch an der Wahlurne stehe, entscheide ich mich nie für gemäßigt konservative Parteien und sympathisiere mit den moderat progressiven. Weshalb?

Ich glaube, dass es einfacher ist, sich auf die Dinge zu einigen, die dringend einer Verbesserung bedürfen als auf Dinge, die bereits gut sind. Oder anders ausgedrückt: Moral verändert sich, Ethik ist universeller. Konservative Parteien basieren ihre Ziele auf moralische Grundsätze, die nicht für alle Menschen gültig sind, wohingegen progressive Parteien eine integrativere Herangehensweise wählen, die auf allgemeinen ethischen Prinzipien basiert, die für alle Menschen gleichermaßen gelten. Moralische Richtlinien existieren und vergehen mit der Kultur, die sie nährt und den Menschen, die sie verbreiten und vertreten, während ethische Grundsätze sui generis existieren – in ihrem eigenen Recht, auf einer höheren Ebene. Sie tendieren dazu, utopisch zu sein, aber das ist ein Risiko, das ich gewillt bin zu nehmen. Es ist ein Versuch, Windmühlen zu bauen.

Progressiv zu sein bedeutet, vorauszudenken, um Probleme zu verhindern, nicht um Veränderungen zu verhindern. Manche meiner Gesprächspartner vertreten die Meinung, dass manche konservative Parteien die bessere Wirtschaftspolitik machen und mehr Wohlstand garantieren könnten, aber selbst wenn sie damit Recht hätten, würde ich diese Vorteile den ethischen Vorteilen der progressiven Weltsicht opfern. Man mag mir jetzt vorwerfen, dass ich mir diese Meinung nur leisten kann, weil ich in einem Bett schlafe und genügend Kleidung und Lebensmittel zu meiner Verfügung habe, aber ich bin anderer Meinung: Moral ist ein solcher Luxus, Ethik nicht.

Ich glaube, dass philosophisch-ethische Grundsätze die Basis jeder Gesellschaft sind und in unserer Existenz angelegt und damit nicht das bloße Resultat unserer Erziehung und Kultur sind. Ich glaube, dass Veränderungen essenziell gut sind, auch wenn sie nicht immer leicht zu akzeptieren sind. Ich glaube, dass seine Ängste loszulassen und Veränderung zuzulassen vorteilhafter ist als Energie damit zu verschwenden, Entwicklungen verhindern zu wollen, die sich mit ethisch vertretbaren Mitteln nicht verhindern lassen. Ich glaube, dass Fortschritt besser ist als komfortabler Stillstand. Und ich glaube, dass ein explorativer Vertrauensvorschuss an die Welt besser ist als verbittert zu werden aus Angst vor dem Unbekannten.

I.S. 17.09.2014

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Farbsilbergrau.

17 August 2014

Ich bin ein Bild, das innehält und innehalten lässt.

Nicht Furcht, nicht Anbetung, nicht Staunen fordert,

nur deinen Schritt verlangsamt sehen will.

So grüß‘ mich wie ein alter Freund.

 

Ich bin ein Abbild, das betrachtet und betrachtet wird.

Bald fremde Weite, bald mit Macht erstrahlend

die andre Welt, in deiner Nachtseite verborgen.

 

Ich bin sogar ein solcher Klumpen Stahl

der Schiffe an gesunk’ne Küsten bindet.

der Weite eng um Wellen windet

und lautlos weilt ein jedes Mal.

 

I.S. 17.08.2014